Der schwarze Mann auf dem Parkplatz

Im Lidl war ein großer schwarzer Mann mit seiner Tochter auf dem Arm. Er hatte Dreadlocks und riesige, leuchtend weiße, freundlichen Augen, in die ich blickte, als ich lächelnd an ihm vorbeiging, denn ich war fasziniert von seiner Ausstrahlung. Dass diese für ihn wenig später zum Nachteil werden würde, kam mir in diesem Moment nicht in den Sinn.

Als ich an der Kasse stand, war er bereits draußen auf dem recht leeren Parkplatz, verdeckt von einem freistehenden Auto, hinter dem sein Kind offenbar etwas auf der Erde gefunden hatte, so dass er längere Zeit stehen blieb, dabei den Blick nach unten gerichtet.

Die Frau vor mir sagte etwas zur Kassiererin und deutete nach draußen. Diese verließ ihren Platz, gab der Kollegin an Kasse 2 Bescheid und ging nach draußen, um nach dem Rechten zu sehen. “Naja, wenn der da einfach so rumsteht” hörte ich, allgemeines Gemurmel, “Auto”.

Er bemerkte offenbar, dass ihn die gesamten 3 Kassenschlagen hinter der Fensterfront anstarrten, sah, wie eine Angestellte zur Tür herauskam, in seine Richtung. Er nahm sein Kind an die Hand und ging.

“Ach”. Gemurmel. “Kind”. Erleichtertes “Haha”.

In der Zwischenzeit war ich an der Reihe und sprach die Kassiererin an, als sie zurückkam, was denn da jetzt das Problem gewesen wäre.

“Naja, das Kind hat man halt nicht gesehen!”

“Was hätte er denn da machen sollen?”

“Na die Kundin hat mir halt Bescheid gesagt. Und wenn der da einfach so hinterm Auto steht …”

“Wärst du auch rausgekommen, wenn z.B. ich da gestanden hätte?”

“Na das hat doch damit nichts zu tun. Ich bin selbst nicht richtig deutsch” berlinerte es mir entgegen.

“Ich denke schon, dass das etwas damit zu tun hat.”

“Das dürfen Sie sehen, wie Sie wollen. Kassenbon?”

Als ich hinausging fragte ich besagte Kundin, die gerade dabei war, ihren Einkauf in Beutel zu sortieren, was denn da los gewesen sei.

“Der stand da einfach so die ganze Zeit und hat irgendwas an dem Auto gemacht.”

“Hättest du auch was gesagt, wenn ich da gestanden hätte?” wiederholte ich die Frage.

“Ja klar. Wenn das mein Auto gewesen wär und da steht einer, hätt ich da glaub ich Angst gehabt!”

Ich glaubte ihr nicht und ging. Als ich mein Rad abschloss, stellte sie mich noch mal zur Rede:

“Entschuldigung? Wollten Sie mir da gerade irgendwas vorwerfen wegen der Hautfarbe?”

“Nein, das war kein persönlicher Angriff, ich fand nur …”

“Wissen Sie woher ich komme? Würden Sie mir das ansehen? …”

“Es ist mir herzlich egal, woher Sie kommen. Ich fand die Situation nur in keinster Weise verdächtig und habe mich einfach gewundert.”

“Ich fand sie schon verdächtig.”

“Dann haben wir das unterschiedlich wahrgenommen.”

“Ja, haben wir wohl.”

Ich bin nicht offensiv geworden, habe ihr nicht gesagt, dass sie wegen ihres Migrationshintergrundes keinen Freifahrtschein für hautfarbebedingten Alltagsrassismus hat. Habe ihr nicht gesagt, dass sie Schwachsinn erzählt und sie diesen Menschen ganz selbstverständlich unter Generalverdacht gestellt hat. Weil ihre etwa 2-jährige Tochter im Einkaufswagen saß, an dem sie sich während der Unterhaltung festhielt. Ich wollte dem Kind nicht noch mehr mieses Verhalten vorleben, als es ihre Mutter gerade sowieso schon tat, ohne dass es von beiden als sonderlich mies wahrgenommen wurde. Vielleicht sind beide Kinder ja mal in der selben Kita-Gruppe oder Schulklasse und werden Freunde, wenn Mami nichts dagegen hat.

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