Über Boshaftigkeit

Besuch kündigte sich an. Er schaute auf die Uhr.

Einundzwanziguhrdreiunddreißig.

Zögernd griff er zum Staubsauger, schloss ihn an und begann sich über die Staubflusen her zu machen, die sich in den letzten paar Tagen gebildet hatten. Einige Minuten später schrillte die Türklingel durch das monotone Gebläse hindurch:

“Guten Abend” sagte eine ältere Dame mit mehrfarbiger Kurzhaarfrisur.

“Oh, sorry, ist es zu …? Ich bekomme gleich, also, es tut mir leid, -”

“Ja, ich wollte sie nur darum bitten, mit dem Staub… -”

“Sorry, ich weiß, ich bekomme gleich Besuch und, naja, nicht dass sie denken ich hätte aus Boshaftigkeit oder so -”

“Wieso sollten sie denn aus Boshaftigkeit Staubsaugen?”

“Nein, das tu ich ja nicht, ich bekomme gleich Besu-”

“Sie ziehen diese Option also ernsthaft in Betracht, rein aus Boshaftigkeit um halb zehn nachts -”

“Nein nein nein! Hörn Sie doch! Ich sauge eben NICHT aus Bos-”

“Aber wie kommen Sie denn dann dazu, mir hier ins Gesicht zu sagen, dass Sie ja auch aus Boshaftigkeit saugen könnt-”

“Das tu ich ja gerade NICHT!!”

“Und jetzt auch noch die Dreistigkeit mich hier im Flur anzuschreien!”

“WAS?!”

“ALSO JUNGER MANN!”

Er schmiss ihr die Tür vor der Nase zu und saugte den Rest der Wohnung aus Boshaftigkeit weiter.

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