Dorf

Als wir 1996 aufs Dorf zogen, musste eine neue Schulbuslinie von dort zum nächsten Gymnasium eingeführt werden. Die anderen Kinder sahen lustig aus und hatten eine komische Aussprache, aber zum Fußballspielen reichte es. Außerdem grüßte man sich auf der Straße, das fand ich irgendwie hübsch. Man nannte sich gegenseitig beim Nachnamen, nur mich nicht, mein Nachname hatte hier keine Tradition. Nach ein paar Jahren kam das Bier mit zum Bolzen und recht bald beschränkte man sich auf Ersteres. Leerstehende Häuser für Jungsabende mit Mädchen gab es genug. Das erste mal Küssen und das erste mal Kotzen fielen auf ein und denselben Tag. An der freiwilligen Feuerwehr standen die Nazis und soffen Berentzen. Irgendwann fand ich Anschluss bei den Leuten meiner Schule und die Dorfkinder wurden uninteressant. Man grüßte sich trotzdem noch. Meine neuen Freunde wohnten 10 km weiter, in neugebauten Einfamilienhäusern für Städter in einem Straßendorf ohne Kirche. Mein Fahrrad und mein Discman waren mein Zuhause. Man wollte seine Ruhe und bekam zu viel davon. Dorf ist nett bis 6 und ab 60.

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