Gastbeitrag: Die Sache mit der Religion

überschaubare Relevanz

Hallo,

mein Name ist Frau Quadratmeter und ich darf mich hier in Ermangelung eines eigenen Blogs freundlicherweise ein wenig zu einem Thema auslassen, das in mir seit geraumer Zeit schwelt und zu dem ich meine Gedanken schon aus Selbstschutz einfach mal niederschreiben muss, damit ich nicht platze. Es geht um die Sache mit der Religion.

(Setzen Sie sich, vielleicht holen Sie sich vorher noch etwas zu trinken, das könnte hier eventuell etwas länger dauern.)

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Zei.

Hallo Internet. Ich mach wieder Musik.

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Keine Lust mehr auf Geschriebenes. Wir sehen uns drüben bei Interesse. 🙂18739977_1769235099769680_2259643039952282459_n

Facebook hasst Fette und frisst kleine Kinder

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Ich finds mal wieder bemerkenswert, um welche Nichtmeldung hier Trubel gemacht wird.
Erstens: Das Foto wurde nicht gelöscht, auch wenn BILD und viele andere Medien genau auf diesen Zug aufspringen. Facebook lehnte lediglich ab, das Bild mit etwas Budget zu bewerben, um mehr Reichweite zu erlangen. Zensur klingt nur irgendwie geiler als “Facebook weist Page Post Ad Budget zurück”.
Zweitens: Facebook ist ein Fehler unterlaufen und sie haben ihn rückgängig gemacht. Es liegt mir fern, den Verein hier in Schutz zu nehmen, aber ich habe ständig Kontakt zum Support wegen genau solcher Sachen. Jeden Tag werden abertausende Werbeanzeigen geschaltet und irgendein Klickfarmangestellter muss in 1 Sekunde entscheiden, ob das Bild und Wording irgendwelchen Richtlinien entspricht oder nicht. Da geht ständig was schief, das lässt sich aber innerhalb eines Tages durch eine kurze Mail klären, ganz ohne Shitstorm. Ist dann halt nur nicht so öffentlichkeitswirksam.
Der Fehler lag in diesem Fall darin, dass Facebook das Bild und die dazugehörige Veranstaltung in die “Health & Fitness” Ecke schob, wo in der Tat keine Bilder extrem dicker Menschen beworben werden dürfen. Extrem dünner Menschen übrigens auch nicht. Das hat nichts mit Zensur oder irgendeinem amerikansichen Schönheitsideal zu tun, sondern soll all zu reißerisches Marketing für Abnehmprodukte verhindern und sicherstellen, dass den Usern mit irgendwelchen Vorher-Nachher-Bildern und “Bist du zu dick?”-Wording keine schlechte Laune gemacht wird.
Halten wir fest: Das Foto wurde zu keinem Zeitpunkt von Facebook gelöscht. Dass es nicht den Werberichtlinien entspreche, war ein Fehler, der sofort richtiggestellt wurde. Was aber bei den meisten hängen bleibt ist genau das: “Facebook löscht Foto weil zu fett!!1”
Das erinnert mich ein bisschen ans Dong Xuan Center kürzlich. Eine Lagerhalle neben dem Gelände war es, die abbrannte. “Asiatisches Einkaufszentrum abgebrannt!” war die dazugehörige Headline. Wo fängt diese ganze Clickbaitsache eigentlich an? Sind es die Leute, die solche Meldungen haben wollen? Sind es die Medien, die die Klicks haben wollen? Wurden die Leser mittlerweile zu solcher vorgetäuschter Relevanz erzogen, so dass sie sich den Bullshit jetzt aktiv einfordern?
Mal wieder so ein Tag, an dem ich gern das Internet dichtmachen würde.

Der Filter heißt Berlin

Die Leute sehen alle gleich individuell aus. Die Leute sehen sogar genau so aus wie auf ihren Instagram-Selfies. Der Filter heißt Berlin. “Hab langsam Hunger. Hast du schon irgendwas geiles gegessen?“ fragt einer seinen Freund. Wichtig, hier isst man nicht einfach irgendwas, hier isst man was “geiles”. Die kulinarische Diversität ist ja auch einer der Faktoren, die Kreuzkölln so lebenswert machen, ne? Was geiles essen, Wegbier einer Marke trinken, die kein Mensch mit Fernseher kennt, später am Abend den Club suchen, der bisher am längsten im Bezirk besteht, oldschool Underground von 2009. Pepe Tabak hellgrün, der teert nicht so krass die Lunge dicht, wenn man beim Treibenlassen ständig raucht, um Tätigkeit beim Gesehenwerden zu simulieren. Niemand erzählt dir mehr ungefragt, dass er Veganer ist, die Phase ist durch, mittlerweile ist das nicht mehr erwähnenswert in einer Peergroup, in der keine Nichtveganer mehr existieren, I mean, you know? #örben

Febueder

Habt ihr schon mal von Febueder gehört? Ich bis vor ein paar Tagen auch nicht.
Drei 19jährige Jungs aus der britischen Provinz, die bisher zwei EPs in Eigenregie rausgebracht haben und bereits mit Animal Collective verglichen werden. Ich leg noch zwei drauf: Yeasayer ohne Pop, Fleet Foxes ohne Folk. Generell mal wieder erfrischend schubladenlose Musik, danke Spotify für diese Entdeckung!
Wenn die für ihr Debutalbum nen vernünftigen Produzenten an den Start kriegen, seh ich da ganz ganz Großes auf uns zu kommen

Ausgedruckte Blogposts am 13.04.

Frédéric Valin lud mich ein, mit ihm am kommenden Mittwoch im Crack Bellmer in der Revaler Straße 99 zu lesen. Und wenn es zu etwas keine entsprechende Facebookveranstaltung gibt, findet es auch nicht statt.

Fangt an aufzuräumen mit der Mehrheitsillusion der Dumpfen, es wird notwendig.

“Ah, vier deutsche Kerle.”
Wir standen auf der Schönhauser Allee und machten eine Raucherpause. Der Typ hörte aus 3 Metern Entfernung, dass es grob um Köln ging.
“Richtige Prachtexemplare! Die sich locker von zwei Türken verprügeln lassen würden! Die Mädels vergewaltigen se nur, die Kerle stechen se ab. Schon bei nem Kampfkurs angemeldet? Ihr habt ja überhaupt keine Ahnung, was da noch auf uns zu kommt!”

Wir standen einer wandelnden Kommentarspalte gegenüber. Die virtuelle Scheiße hatte sich materialisiert. Diese “Phase”, dieser Zustand da im Netz, der steht mittlerweile auf der Straße und quatscht dich ungefragt voll.

Wir haben das Internet verloren. Einst Rückzugsort für Ausgleich durch Unsinn, hat es sich in kurzer Zeit radikal politisiert – und die Lauten haben gewonnen. Das ist genau der Prozess, der jetzt mit Verzögerung in die Gesellschaft drängt. (Ich erinnere mich übrigens noch an Zeiten, in denen Pegida-Märsche der Gegenkundgebung zahlenmäßig unterlegen waren.)

Man hat sich das jetzt ne ganze Weile angeschaut. Ich sehe da aber mittlerweile einen so großen Haufen Scheiße auf uns zukommen, dass man sich mal um Lösungsansätze Gedanken machen muss. “Wir müssen jetzt mal dagegensteuern!” liest man allerorten, aber kein “Wie”, und das regt mich auf in diesen vernetzten Zeiten.

Ein erster und möglicherweise satzentscheidender Schritt wäre die Wiedereroberung des Internets. Die gefährlichste Waffe der Verblödung ist die Filterblase, und die gilt es zum Platzen zu bringen. Wir haben (nicht erst) im letzten Jahr gelernt, dass Argumente keine Kommentarspalten gewinnen können. Aber es geht um die Präsenz.

„Wenn wir Öffentlichkeit sich selbst überlassen, dann wird diese häufig ausgrenzend und zerfällt in Fragmente. Wenn zueinander in Opposition stehende Seiten sich nicht mehr zuhören wollen, nicht mehr aufeinander reagieren, sondern bloß noch Identifikation durch Abgrenzung schaffen und in ihren Thesen verharren, dann findet eine Spaltung der Öffentlichkeit statt und Fronten verhärten sich. An einem gewissen Punkt beginnen die Leute, eigene Subgesellschaften in der Öffentlichkeit zu bilden, in der sie sicher sein können, dass keiner ihnen widerspricht.“
(http://www.carta.info/77196/filter-bubble-und-propaganda-wie-wir-mit-nachrichten-besser-umgehen-sollten/)

Die Hetzer haben ihre Filterblase mittlerweile so aufgepumpt, dass sie ins “neutrale” Netz gedrungen ist. In einem Maße, dass sich große Onlinemedien längst dazu entschlossen, ihre Kommentarbereiche teilweise zu deaktivieren. Wer sich auch außerhalb seiner Filterblase im öffentlichen Raum “Internet” ideologisch in der Mehrzahl fühlt, der unterliegt der Mehrheitsillusion. Das, was maßgeblich dazu beitrug, die Menschen im Arabischen Frühling auf die Straße zu bringen, sorgt in Deutschland für einen historischen Rechtsruck.

Auf der Magisterverleihung der Philosophischen Fakultät hielt der Dekan eine pathetische Rede. “Wir” hätten die eigentliche Verantwortung als impulsgebende Elemente der Gesellschaft. Kam mir in letzter Zeit häufiger in den Sinn. Ich sehe Resignation bei denen, die zu reflektieren in der Lage sind, sich gerade deshalb aber hauptsächlich mit sich selbst beschäftigen. Die Beobachterposition ist eine bequeme, aber mittlerweile nicht mehr die intelligenteste. Fangt an aufzuräumen mit der Mehrheitsillusion der Dumpfen, es wird notwendig.

Hinter dem Kampfsporttypen von der Schönhauser, an der Wand, prangte übrigens ein “STOPPT DEN RECHTEN MOB!”-Schriftzug, der 2015 noch nicht da war. Die Antifaschisten sind längst sensibilisiert, jetzt geht’s ums rationale Volk, verdammt.

Die wollen uns doch nur unsere Likes wegnehmen!

Sie strömen in Massen ins deutsche Internet, völlig unkontrolliert. Es handelt sich meist um Männer aus bildungsfernen Regionen – kaum einer der deutschen Sprache mächtig – und alle besitzen ein Smartphone. Die Rede ist von neuen Rechten, die hemmungslos unser Internet terrorisieren, deutsche User belästigen (auch unsere Frauen!) sowie ungehindert Falschmeldungen, Hetze und Morddrohungen verbreiten.

Damit muss endlich Schluss sein! Das Internet ist voll! Wir haben hier doch keinen Platz für die Gesamtheit aller obskuren Weltbilder! Die Grundwerte des deutschen Internets werden zerstört (Katzen-GIFs, Selfies, Essensbilder, Buzzfeed-Listen) und die Politik schaut tatenlos zu! Unsere eigenen Seiten, Gruppen und Kanäle verlieren stark an Wert, wenn in direkter Nachbarschaft AfD-Wähler ihr Unwesen treiben! Warum kommen die alle ins deutsche Internet? Die wollen uns doch nur unsere Likes wegnehmen!

Und das war erst der Anfang, wer weiß, wie viele bisher passive User demnächst noch mit ihren unreflektierten Standpunkten in soziale Netzwerke fliehen werden.

Wir fordern daher:
– Strenge Abiturkontrollen beim Einloggen!
– Pflicht-Deutschkurse für alle Hetzer!
– Sofortige Abschiebung aller Straftäter hinsichtlich der Facebook Gemeinschaftsstandards! (Nach Myspace! Oder Sachsen.)
– Konsequente Verfolgung von verantwortlichen Providerbanden. (O2, Vodafone, 1&1 etc.)
– Verbindliche Obergrenzen für nationalistischen Bullshit im deutschen Internet!
– Beschränkung der Hetzparolen auf die eigenen Kulturkreise! (Stammtische, Schützenvereine, Vorstadtdiskotheken, …)

Ihre AfdAfD (Alternative für die Alternative für Deutschland)

Tweets des Jahres 2015

Kontakte.docx

Ich richte mein neues Smartphone ein, sitze hier und tippe Telefonnummern aus einem vorher dafür angefertigten Worddokument ab. Durch die neue SIM-Karte konnte kein Kontakt übernommen werden. Ich stocke bereits beim zweiten Namen, da dieses Gerät nur eine begrenzte Menge Zeichen für einen Telefonbucheintrag zulässt. Stehen bleibt der Nachname “Lieb”, und ich find das hübsch, denke ich, aber der Ärger über diese Form des technischen Downgrades überwiegt.
Beim fünften Eintrag ist die Konzentration dahin, denn zu jedem Namen entspinnt sich eine Geschichte, und jeder neu hinzugefügte Kontakt überlagert die des vorderen nur. Mir wird bewusst, dass ich mich hier heute Abend mit allen Menschen, die ich kenne, beschäftigen werde.
Ich schiebe mittlerweile den blinkenden Word-Cursor in jede neue Zeile, die ich bearbeite, um die wegdenkende Konzentration wenigstens durch die optimierte Mechanik meines Sehapparates zu kompensieren. Dies gelingt so mittel. Der Gedanke kommt, dass ich außerdem gerade meiner neuen Autokorrektur – oder dem Wörterbuch, wie es offenbar mittlerweile heißt – sämtliche Namen meiner Freunde beibringe, für die Zukunft.
Die Autokorrektur, dieser stete Begleiter, den du erziehst, jahrelang, damit er irgendwann so denkt wie du, dabei jedoch nie ganz seinen eigenen Charakter verliert. Im Gegenteil, sogar erst einen eigenen entwickelt, denn du erziehst dieser Tabula Rasa auch Fehler an. Vielleicht das Tamagotchi der heutigen Zeit, vielleicht mehr noch – ein Kind ohne Risiko in der Hosentasche.
Ich kopiere diesen Text jetzt aus der Worddatei ins Internet rein und schenk mir besser einen Whisky ein, bevor ich mit “C” weitermache.
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